Denk- und Produktionsort

Die alljährlich stattfindende Sommerakademie ist ein einwöchiger, interdisziplinärer Workshop, der von erfahrenen Dozent*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Kunst angeleitet wird und zur künstlerischen Auseinandersetzung mit wechselnden thematischen Schwerpunkten einlädt.

Anmeldung unter:
sommerakademie2026@libken.de

Kosten und weitere Infos folgen demnächst

Wann: 31.8. – 6.9.2026 , Werkschau am 5.9.2026

Wo: Libken e.V.
Ort Böckenberg 15 – 17
17268 Gerswalde

Sommerakademie Libken Nr. 9 – 2026

Die einwöchige, interdisziplinäre Sommerakademie in Libken ist eine Einladung zum gemeinsamen Leben und künstlerischem Arbeiten, losgelöst von gewohnten Umgebungen und Strukturen. Bereits das neunte Jahr findet die Sommerakademie in der Künstler*innenresidenz Libken, einem Plattenbau mit großem Gartengelände in der Uckermark auf dem Land statt.

Das Thema der diesjährigen Sommerakademie ist

Der kollektive Raum und das ICH – eine Annäherung mit den künstlerischen Praktiken Keramik, Fotografie, Malerei, Performance, Text und Gespräch.

Wie wollen und können wir heute künstlerisch arbeiten und handeln in einer Zeit von Kulturkürzungen, Krieg, Klimakrise und gesellschaftlicher Polarisierung?

Die Sommerakademie in der Künstler*innenresidenz Libken versteht sich als Labor, Experimentierraum und kollektiver Denk- und Arbeitsort in der Uckermark — auf dem Land in Ostdeutschland. In einer Region, die von Brüchen, Umdeutungen und widersprüchlichen gesellschaftlichen Erfahrungen geprägt ist.

Ausgehend von diesem konkreten Ort stellt die Sommerakademie Fragen nach Aneignung, Verantwortung und Rückgabe: Was bedeutet es, sich einem Ort künstlerisch anzunähern, ihn temporär zu bewohnen und in ihm gemeinsam zu leben und zu arbeiten? Was heißt es, in einem Plattenbau solidarische Formen des Zusammenlebens und Arbeitens zu erproben?

Im Zentrum stehen Fragen nach Individualität und Kollektivität, nach künstlerischer Autor*innenschaft und gemeinsamer Praxis. Stellt sich nach ausgiebiger Recherche ein Fremdkörpersein ein, der Wunsch sich in der eigenen vertrauten Bubble einzurichten? Werden wir auf uns selbst zurückgeworfen, oder erleben wir Durchlässigkeit? Wieviel Ehrlichkeit, Neugier und echtes Interesse braucht es, damit ein künstlerischer Prozess nicht nur aus einem Ort hervorgeht, sondern an ihn zurückgibt?

Wir wollen Libken als spezifischen Resonanzraum ausloten: als ländlichen Ort in Ostdeutschland, an dem Geschichte, Gegenwart, Strukturwandel, politische Spannungen und Fragen von Zugehörigkeit unmittelbar aufeinandertreffen. Gerade hier stellt sich die Frage, wie heute noch Diskurs möglich ist: Wie können wir kontrovers miteinander sprechen, Differenzen aushalten und dennoch aufeinander zugehen — auch bei politisch sehr unterschiedlichen Standpunkten?

Die Sommerakademie knüpft damit auch an künstlerische und gesellschaftliche Debatten an, wie sie international etwa auf der diesjährigen Kunst-Biennale von Venedig verhandelt werden: an Fragen nach Repräsentation, Zeug*innenschaft, Dokumentation, Gemeinschaft, Krisenerfahrung und der Rolle von Kunst in einer fragilen Gegenwart.

Gleichzeitig wird der Blick bewusst von den großen internationalen Ausstellungsformaten zurück auf den konkreten Ort gelenkt: nach Libken, in die Uckermark, in den Alltag des Zusammenlebens, in das genaue Hinsehen und Zuhören.
Eine besondere Rolle spielt dabei das künstlerisch-dokumentarische Arbeiten — nicht als bloße Abbildung von Wirklichkeit, sondern als künstlerische Praxis des Beobachtens, Sammelns, Befragens und Sichtbarmachens. Zwischen subjektiver Wahrnehmung und kollektiver Realität entstehen so neue Formen künstlerischer Recherche und Auseinandersetzung.

Möglich sind vielfältige künstlerische Zugänge und Verbindungen zwischen ihnen: Keramik, Zeichnung, Malerei, Fotografie, Text, Stimme, Performance sowie experimentelle und dokumentarische Formate. Libken wird so zu einem offenen Arbeitsraum für künstlerische Forschung und gemeinsame Praxis — für den Versuch, sich in Beziehung zu setzen und abseits alltäglicher Strukturen und Bedingungen neue Formen des Arbeitens, Lebens und Erzählens zu erproben.

Wir streben einen kollektiven, gleichberechtigten Raum an, in dem wir gemeinsam und voneinander lernen und die eigenen sowie die Arbeiten der anderen Teilnehmenden wertschätzend besprechen können.

Die Sommerakademie endet mit einem Fest und einer öffentlichen Präsentation am 5. September 2026: Das weitläufige Areal und die Räumlichkeiten von Libken bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten unterschiedlicher (Präsentations-)Formate die gemeinsam und individuell erarbeiten werden können.

Zusammenarbeiten in Libken

Die aktive Teilnahme an der Organisation und Umsetzung aller gemeinsamer Aktivitäten und das Sich-Einlassen auf gemeinschaftliche Prozesse ist die Grundlage unseres kollektiven Lebens und Arbeiten in Libken. Darüber hinaus verstehen wir die Libken Sommerakademie als einen Moment des respektvollen und diskriminierungssensiblen Umgangs miteinander und positionieren uns klar gegen jede Art von Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus.

Konzept und Organisation: Sophia Kesting in Kooperation mit Susanne Kim und Katharina Reinsbach

Sophia Kesting

Sophia Kesting ist eine feministisch-intersektional arbeitende bildende Künstlerin, Fotografin und Lehrende. Sie ist Mutter einer Tochter. In ihrer künstlerischen Forschung, ihren Rauminstallationen und fotografischen Langzeitprojekten thematisiert sie ausgehend vom fotografischen Bild durch Archivmaterial, auto-fiktionalen Text, Sound und Lecture Performances gesellschaftliche und soziale Umbrüche und macht Wechselwirkungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sicht- und erfahrbar.

Sophia Kesting studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie anschließend bis 2023 künstlerische Mitarbeiterin in der Klasse für Fotografie und Medien war. Zur Zeit macht sie einen PhD in der Kunst an der KU Leuven / LUCA School of Arts in Brüssel und arbeitet ausgehend von der friedlichen Revolution 1989 zu Widerstandspraxen und den Auswirkungen des Umbruchs auf unsere Gegenwart und Zukunft im deutschen und europäischen Kontext.

Sophia Kesting (*1983 Leipzig) ist bildende Künstlerin, Fotografin, Forschende und Lehrende und lebt und arbeitet in Leipzig und Brüssel.

Sophia Kesting studierte bis 2010 visuelle Kommunikation an der HTW Berlin und anschließend mit einem Studienstipendium des Cusanuswerks bildende Kunst und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig.

In ihrer Arbeit hinterfragt sie gesellschaftliche und soziale Ordnungssysteme und macht Brüche und Spannungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sicht- und erfahrbar.

Ausgehend vom fotografischen Bild bewegt sie sich bis an die Ränder des Mediums Fotografie und bindet auto-fiktionalen Text, Sound, Archivmaterial und Lecture Performances in ihre künstlerische Forschung, fotografisch-mediale Rauminstallationen und fotografische Langzeitprojekte ein.

Ihre Arbeiten werden seit 2010 in Galerien, Museen und Offspaces im nationalen und internationalen Kontext ausgestellt.

2023 erhielt sie die Bronzemedaille des Deutschen Fotobuchpreises für „Rewriting the Photographic Image“ und 2024 das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds. 2026 wurde ihre gemeinsame Arbeit mit Dana Lorenz „Asphalt, Steine, Scherben“ für den Merck Fotopreis nominiert und ab Oktober 2026 wird sie Residenzstipendiatin der Boghossian Foundation in der Villa Empain in Brüssel sein.

Sie lehrte von 2018–2023 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, derzeit an der LUCA School of Arts in Brüssel sowie 2025/2026 als Vertretung der Professur von Ricarda Roggan an der Akademie der bildenden Künste Stuttgart.

Seit 2023 ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied im bundesweiten Netzwerk „Un/learning art and design education e.V.“


www.sophiakesting.com


www.asphaltsteinescherben.com


www.unlearning-ev.cargo.site

Katharina Reinsbach

Katharina Reinsbach (*1993 in Berlin) lebt und arbeitet als Künstlerin in Berlin. Sie studierte Malerei/Bildende Kunst an der Weißensee Kunsthochschule Berlin bei Prof. Friederike Feldmann und bei Prof. Pia Linz, bei der sie 2024 ihren Abschluss als Meisterschülerin machte.

Darüber hinaus studierte sie am Chelsea College of Art London und an der Academy of Fine Arts Warschau. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, zuletzt im Cub_ism_Artspace, Shanghai, in der Galerie Parterre, Berlin, in der Stiftung Schloss Genshagen, im ZAK – Zentrum für aktuelle Kunst und im Brückemuseum.

2022 erhielt sie das Mart-Stam-Stipendium/Deutschlandstipendium. Zudem erhielt sie 2026 die künstlerische Nachwuchsförderung der GSE gGmbH und verschiedene Projektförderungen, so beispielsweise von der Mart-Stam-Gesellschaft und gemeinsam mit Rahel Goetsch von der Hessischen Kulturstiftung für die Produktion des Künstlerinnenbuches What day is it today?


katharinareinsbach.com


@katsophier

Susanne Kim

Susanne Kim wurde in Dresden geboren, lebte mit ihren Eltern eine Zeit lang in Syrien und fuhr mit ihnen, kurz bevor die Mauer fiel, in den „Urlaub“ nach Ungarn, um von dort aus in den Westen Deutschlands zu fliehen.

Studiert hat sie dann wieder in Leipzig und einen Abschluss als Diplomjournalistin erlangt. Sie besuchte das „European Film College“ in Dänemark, nahm u.a. am „Berlinale Talent Campus“ teil und besuchte die „Professional Media Master Class“ (PMMC) in Halle.

Ihre Dokumentarfilme ZUSAMMENGEBACKEN (2003), WHITE BOX (2010), DIE BANDE (2011), TROCKENSCHWIMMEN (2016) und MEINE WUNDERKAMMERN (2021) wurden auf zahlreichen Festivals weltweit gezeigt.

Von Januar 2024 bis Februar 2025 wurde MEINE WUNDERKAMMERN als begehbare Raum- und Klanginstallation mit Virtual-Reality-Animationen in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) Leipzig mit einem begleitenden Vermittlungsprogramm Film/VR ausgestellt.

Susannes aktueller Film BECOMING KIM erzählt ihre persönliche deutsch-koreanische Familiengeschichte. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.


trockenschwimmen.de


meine-wunderkammern.de


GfZK – Meine Wunderkammern


Interview – DOK.fest München