Ein Symposium des Libken e.V.
in Kooperation mit dem Center for Metropolitan Studies, TU Berlin

Neue Felder – Neue Dörfer
Praxis und Ästhetik einer post-sozialistischen Landschaft

13. – 16. September 2018
Libken e.V., Ort Böckenberg 15-17, 17268 Gerswalde

DO 13. September

Warum ist Landschaft schön?
Die Spaziergangswissenschaft – 1. Teil

Prof. Martin Schmitz (Kunsthochschule Kassel)


Nie zuvor in der Geschichte konnten sich so viele Menschen so preiswert und schnell durch die Welt bewegen, nie zuvor gab es eine größere Informationsflut durch die Medien als in unserer Gegenwart. Beides hat zu enormen Veränderungen unserer Wahrnehmung geführt und das Planen und Bauen sichtbar verändert. Auto, Bahn und Flug bringen uns an jeden Ort der Welt. Das hat nicht nur unsere sichtbare Umgebung in Form von Straßen, Bahnstrecken, Flughäfen und Ansiedlungen verändert, sondern auch unseren Blick auf die Welt. Die Forschung auf diesem Gebiet nannte der Schweizer Soziologe Lucius Burckhardt in den 1980er Jahren Spaziergangswissenschaft, Promenadologie oder englisch auch Strollology. Sie ist heute ein hilfreiches Instrument bei der Interpretation und Gestaltung der Umgebung und Lebensbedingungen.

Öffentliche Abendveranstaltung. Eintritt frei



FR 14. September

Warum ist Landschaft schön?
Die Spaziergangswissenschaft – 2. Teil
Prof. Martin Schmitz (Kunsthochschule Kassel)



Exkursion: Spaziergang um Böckenberg



Soll stört #Kranich
Dr. Bettina Wilkening (Verhaltensbiologin, Angermünde)

Der Graue Kranich braucht das Soll – wassergefüllte Hohlform in Wald- und Feldflur, Relikt der Eiszeit. Unser verhaltensökologischer Blick richtet sich auf des Kranich's Sehnsuchtslandschaft. Es wird über (Unter-)Bodenverhältnisse und Wasserregime zu sprechen sein. Wir sehen die ökologische Plastizität eines Kulturfolgers, der sich auf die Industrialisierung zwei Eier pellt und im September auf unseren Stoppelfeldern tanzt.


-- Mittagspause --


Kaff und Kommunismus – Zur Geschichte und Gegenwart utopischer Landentwürfe
Dr. Stefan Höhne (TU Berlin)

Spätestens seit dem Beginn der Industrialisierung dienen Land und Dorf als idyllische Gegenpole zu den Strapazen und Zurichtungen des modernen Alltags. Bis heute verheißt das Leben dem Land Selbstbestimmung, Solidarität und die Möglichkeit eines nicht-entfremdeten Lebens und Arbeitens. Die lange Konjunktur dieser Sehnsüchte bezeugen die zahlreichen historischen Versuche der Realisierung emanzipatorischer Lebensentwürfe: von den Phalanstères des Frühsozialisten Charles Fourier über die Lebensreformbewegung der Jahrhundertwende, die Modelldörfer der DDR bis zur westdeutschen Landkommunenbewegung. Auch aktuell erscheinen dörfliche Lebensformen und die Ideen von Lokalität, Subsistenz und Allmende wieder als wegweisende Modelle gegen Neoliberalismus, ökologischen Raubbau und soziale Isolation. Der Vortrag spürt den geschichtlichen wie gegenwärtigen Dynamiken ländlicher Utopie nach und diskutiert die Realitäten und Ideale nicht-kapitalistischen Lebens jenseits der großen Städte.


Landschafts-LAB
u.a. mit Dr. Jan von Brevern (FU Berlin)

…weitere Infos in Kürze.



SA 15. September

Von Beispieldörfern und Muster-LPG zur durchgreifenden Industrialisierung der Landwirtschaft in der DDR ab 1952
Dr. Andreas Dix (Universität Bamberg)

Der Beitrag handelt von den Anfängen der Kollektivierung der Landwirtschaft, den Konzeptionen und konkreten Planungen für Betriebsanlagen und Dörfer. Dabei soll es insbesondere um Kontinuitäten und Brüche in der Landwirtschaftspolitik seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts gehen. Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, Verknüpfung der Landwirtschaft mit sozialen und bevölkerungspolitischen Zielen, Verwirklichung ideologischer Vorstellungen und konkrete Strukturpolitik auf dem Lande (Verbesserung der Lebensverhältnisse) sollen dabei im Mittelpunkt stehen.

Kulturlandschaft – Kulturplanung – Baukultur
Zum „ländlichen Bauen“ in der Architektur der DDR
Dr. Ulrich Hartung (Architekturhistoriker, Berlin)

Der Vortrag bringt einen Überblick über das Baugeschehen auf dem Dorf in den vierzig Jahren, gegliedert nach Kriterien der zeitlichen und damit stilistischen sowie nach denen der funktionellen, d. h. typologischen Entwicklung. Das soll die differenzierte Einordnung aller jeweils vor Ort vorkommenden oder früher existierenden Bauten aus der DDR möglich machen, als „typisch“ oder als „besonders“, wobei der gleichgroße historische Wert beider Kategorien betont wird. Mit dem erschlossenen Material zu den Einzelhäusern oder Gebäudegruppen lässt sich ihr Bezug auf die sich zugleich verändernde Landschaft genauer in den Blick nehmen. Dabei werden Beispiele aus der Uckermark in ihrer Besonderheit ebenso wie in ihrer Zugehörigkeit zu den allgemeinen Entwicklungen erfassbar.


-- Mittagspause --


Exkursion: Wenn der Bauer zum Städter wird –
Transformationen eines Dorfes am Beispiel Dedelow
Maren Wolff (Meliorationsingenieurin, Dedelow)

Wohnblöcke säumen die Hauptstraße, daneben ein Platz mit Schule, Versorgungseinrichtung und einer Skulpturengruppe Neuer Menschen. Das Zentrum des Dorfes Dedelow mutet an wie der miniaturisierte Wohnkomplex einer sozialistischen Stadt.

Ein Spaziergang durch Dedelow mit der Zeitzeugin und Anwohnerin Maren Wolff liefert einen geschichtlichen Abriss und führt zu Wegmarken der Dorfentwicklung. Der anschließende Vortrag in der ehemaligen Schule setzt diese in den Kontext der Industrialisierung der Landwirtschaft, von der die wesentlichen Impulse des Dorfum- und ausbaus ausgingen und zeichnet die Veränderungen der Landschaft nach. Dabei soll versucht werden herauszuarbeiten, wie der Mensch in diesen umfassenden Veränderungsprozess einbezogen wurde.


SO 16. September

Nicht schön aber mit Platte – Überlegungen zu einer dezentrierten Landschaftsforschung
Dr. Alexander Klose (Kurator und Kulturwissenschaftler, Berlin)

Herkömmlich ist Landschaft schön und Natur erhaben. Heute ist der Begriff der Natur fragwürdig geworden, weil sich die prinzipielle Unterscheidung zwischen Natur und Kultur als wesentliche Voraussetzung der Probleme erwiesen hat, mit denen die menschengemachte Welt konfrontiert ist. Das Wort Landschaft hingegen hat als ästhetische (und ursprünglich sozialgeographische) Kategorie nie behauptet etwas anderes als Kultur zu beschreiben. Das Bild der Landschaft entsteht mittels einer poetischen Operation im Auge des Betrachters. Es hat die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven ineinander zu vereinen: „Landschaft mit Plattenbau und Autobahnanschluss“ ist nicht unbedingt schön im romantischen Sinne aber dennoch Landschaft. Ausgehend von der konkreten materiell-räumlichen Situation in Libken geht der Vortrag der Frage nach, was eine nicht bürgerliche, nicht subjektzentrierte, ja sogar nicht Menschen zentrierte Vision von Landschaft sein könnte.



Kurzfristige Änderungen im Programmablauf sind möglich.