Der Denk- und Produktionsort Libken e.V. veranstaltet mit Hilfe von „Und seitab liegt die Stadt“ erstmalig eine vielseitige Lesereihe rund um das Thema „Herkunft“ in Böckenberg, Uckermark.

Da aktuell keine Live-Events möglich sind, kann die zweite Veranstaltung unserer Reihe LIBKEN LIEST leider nicht im Wasserwerk stattfinden. Trotzdem wollen wir, nach einem tollen Auftakt im Oktober, nicht auf die Lesungen verzichten und haben deshalb umgeplant!
Checkt euch am Samstag, 14.11.2020 um 16:45 Uhr ein, stellt dann bitte Video und Mikrofon auf stumm (sonst sieht man euch, neben den Lesenden, auf dem Sofa sitzen…), dann kann es pünktlich 17 Uhr losgehen mit unserer zweiten Lesung im Rahmen von LIBKEN LIEST.

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Ihr braucht keinen Account bei Zoom, einfach auf den Link klicken reicht aus.

Diesmal sehen und hören wir zuerst Ilija Matusko mit seinem Text „Der Krieg war die beste Zeit meines Lebens“, anschließend Ausschnitte aus „wütende f mit offener b“ und „Fleisch“ von Sarah Dulgeris, gelesen von der Autorin selbst und der Schauspielerin Anne Kulbatzki.

Danach gibt es ein Publikumsgespräch, moderiert von unserer Mit-Kuratorin Jana Blöchle . Ihr könnt uns eure Fragen dann einfach in den Chat schreiben, Jana und die Künstler*Innen werden diese dann vorlesen und so gut es geht beantworten.

Dauer insgesamt: ca 1 Stunde.

Und nun zur Einstimmung schonmal 2 Fragen von Max Frisch an uns alle:

Wenn ich einen Menschen in der Badehose treffe und nichts von seinen Lebensverhältnissen weiß: woran erkenne ich nach einigem Gespräch (nicht über Geld) trotzdem den Reichen?

Und wenn ich einen Menschen in der Badehose treffe und nichts von seinen Lebensverhältnissen weiß: woran erkenne ich nach einigem Gespräch (nicht über Geld) trotzdem das Aufsteigerkind?

Wenn ihr euch bis Monntag 9.11.2020 per Mail, anmeldung@libken.de, anmeldet, bekommt ihr außerdem von unserer ehemaligen Kulinarikstipendiatin Paula Erstmann ein uckermärkisches Verpflegungspäckchen zugeschickt.
Dieses können wir dann alle gemeinsam vor und in den Bildschirmen verschmausen.

Wir freuen uns auf euch !


14. November 2020 17 Uhr - Eine szenische Lesung zu sozialer Herkunft.

“Sie hat die Seiten gewechselt, ohne zu wissen, welche, und wenn se auf ihr bisheriges Leben zurückblickt, sieht sie nur zusammenhanglose Bilder. Sie spürt sich nirgends. Außer wenn sie schreibt oder liest. (...) Sie ist sicher, dass sie keine “Persönlichkeit” hat.”
Annie Ernaux

Sarah Dulgeris befragt wie Herkunft in ihren Texten beschrieben werden kann. Es ist ein schmaler Grad zwischen, Seine eigene Herkunft zur Schau zu stellen und aus dem Gefäß zu erzählen, in das man gegossen wurde, dabei authentisch zu sein und sich nicht an einen elitären Literaturbetrieb anzupassen. Es ist ihr wichtig sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen, sie als Arbeiterkind kann sowohl über Libellen, die den Tau küssen, als auch von ihrer Kindheit in Berlin Moabit schreiben. Wichtig ist es für sie ein Sprachrohr zwischen den Welten zu sein. Es geht ihr darum einen Teppich zu weben, auf dem man gemeinsam als Gesellschaft laufen kann, in diesem Fall durch Sprache und Geschichten, die wir erzählen. Es geht ihr darum, dass diejenigen, die jetzt das Wort haben, beginnen zu zu hören und von denen zu lernen, die es lange nicht hatten, aus rassistischen, klassistischen oder anderen strukturellen Unterdrücker-Mechanismen heraus.

Laut Ilija Matusko ist man immer Kind seines Milieus, kann seine Klasse nie ganz abstreifen „Aufsteigern sieht man das Klettern an“ (Bourdieu), bleibt komplexbehaftet, löscht aus (was ebenfalls sichtbar bleibt), zeigt Scham, oder kokketiert damit. Scham ist z.B. ein reines Klassenthema und bestimmte Varianten des Rassismus oder Alkoholismus sind für ihn ganz klar sozialer Natur.

Wir freuen uns auf das Aufeinandertreffen dieser beiden jungen Autor*innen in einem anschließenden Gespräch miteinander.


Im Rahmen des Programms »Performing Exchange (PEX)« gefördert vom Bundesverband Freie Darstellende Künste und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.


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