Mit dem bisher einzigartigen Stipendium für Kulinarik wird seit 2017 sowohl ausgebildeten KöchInnen, als auch denjenigen, die das Kochen für sich als Kunstform entdeckt haben die Möglichkeit gegeben, sich über einen Zeitraum von drei Monaten ganz auf ihre Kochkunst zu konzentrieren und an einem selbst gewählten kulinarischen Thema zu forschen und zu experimentieren. Traditionelle als auch neue Rezepte und Zubereitungsarten, alte, fast vergessene Küchenweisheiten und Geschichten rund um die Lebensmittelerzeugung, -Verarbeitung und Zubereitung in der Region Uckermark sollen dabei aufgespürt werden und als Inspiration in die eigene Kochkunst einfließen. Ein direkter Bezug des eigenen kulinarischen Forschungsthemas zur Region und der lokalen ErzeugerInnengemeinschaft ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Die erarbeiteten Rezepte, Erfahrungen und Geschichten der StipendiatInnen werden monatlich im Rahmen von „Langen Tafeln“ erfahrbar gemacht und geteilt. Die „Langen Tafeln“ werden in Abstimmung mit den jeweiligen Themenschwerpunkten der StipendiatInnen durch Workshops, Filmvorführungen oder Vorträge ergänzt. Zu jedem Stipendium erscheint außerdem eine Publikation, die Teil des Libken Archivs wird.
Stipendium 2018

Vielen Dank für die tollen und einzigartigen Bewerbungen für das Kulinarikstipenium, wir waren beeindruckt von der Vielfalt der Auseinandersetzungen und haben uns nun entschieden.

Wir freuen uns riesig die neue Kulinarikstipediatin bekannt zu geben:
Sabine Laaks, sie wird von Juli bis September in Libken sein.

Termine "Lange Tafeln" 2018
  • 28.7.2018
  • 25.8.2018
  • 29.9.2018

Ihr wollt gerne teilnehmen?

Anmeldungen zu den Langen Tafeln sind ab 3 Wochen vor den jeweiligen Terminen möglich, da wir dann wissen was Sabine kochen wird, für wie viele Leute Platz sein und was es dann kosten wird. Gerne könnt ihr vor und nach den Langen Tafeln auch bei uns übernachten. Fragt das dann einfach mit an. Wir freuen uns auf euch!
Anmeldung unter anmeldung@libken.de
“Leaf to Root”: Obst & Gemüse essen vom Blatt bis zur Wurzel

von Sabine Laaks

Hallo, Ich bin Sabine. Ich koche für mein Leben gerne mit und für viele Menschen und ich experimentiere am liebsten mit Obst und Gemüse. Ab Juli führt mich meine kulinarische Reise nach Libken, denn seit einiger Zeit köchelt es in mir und der Dampf der vom Topf aufsteigt, riecht nach Veränderung. Meine Reise bestand immer aus praktischen und theoretischen Gängen. Die Begeisterung fürs Kochen für viele Menschen habe ich bei dem Projekt Theater Total in Bochum entdeckt und die hat mich dann in Praktikas und Jobs durch verschiedene Küchen geführt. Weil ich aber auch den Weg von unserem Essen vom Acker bis auf den Teller spannend fand und warum wer eigentlich was isst habe ich in Osnabrück Ökotrophologie studiert. Genug vom Studium habe ich ein kleines Fahrrad Catering auf die Räder gestellt und auf Straßenfesten und Hochzeiten von meinem Hänger serviert. Zurück zur Theorie ging es nach Italien für einen Master of Food Culture and Communications mit 6 kulinarischen Studienreisen auf denen ich viele Produzenten kennengelernt habe und ich praktisch viel gegessen habe. Die letzten vier Jahre habe ich für die Betreiber der Markthalle Neun in Berlin Kreuzberg gearbeitet, wo ich heute den Wochenmarkt organisiere und Bildungsarbeit rund ums Essen mache. So weit so gut. Und jetzt ist nach vier Jahren überwiegend Büroarbeit wieder Praxis an der Reihe: Ich möchte, dass die KÜCHE, das KOCHEN wieder zentraler Bestandteil meines Lebens wird. Aber wie und wo? Das ist wohl mein persönliches Fragestellung für die Zeit in Libken.

“Aber woran will sie forschen?”, fragt ihr Euch vielleicht: Und na klar gibt es auch ein kulinarisches Thema das mir unter den Nägeln  brennt: “Leaf to Root”: Obst & Gemüse essen vom Blatt bis zur Wurzel

Inspiriert von dem (fast) gleichnamigen Buch möchte ich das Konzept erforschen, eben nicht nur die “Filetstücke” des Obst und Gemüses zu essen, jene die wir gewohnt sind, sondern auch die Stücke, die sonst auf dem Kompost landen. Das Möhrengrün, die Fenchelwurzel, der Kohlstrunk. Es geht also darum alles von der Pflanze zu verwenden und so das Bewusstsein für ihren Wert zu schärfen. Im Rahmen meiner Arbeit für den Obst& Gemüse Markt in der Markthalle Neun habe ich Esther Kern eine der Autor*innen des Buchs kennengelernt und ich würde gerne das von den Autor*innen begonnene Kompendium in dem Gemüsesorten und was man von ihnen wie essen kann, weiterführen und mehr Wissen sammeln. In kulinarischen Experimenten, beim Kochbücher wälzen, bei Feldversuchen und in Gesprächen mit Nachbarn anderen Köch*innen und Erzeuger*innen um mich herum. Und ich möchte nach dem selben Prinzip gehen und (Wild-) kräuter, Pilze und Hülsenfrüchte erforschen.

Hast du einen Garten? Kennst du das Phänomen: Zur Hochsaison einer bestimmten Kultur gibt es eine regelrechte Schwemme (Ob Zucchini, Tomaten, oder …). Und was macht man dann damit? Ich freue mich in diesen Gemüse und Obstwellen zu schwimmen ihre Sortenvielfalt zu entdecken und mich an Zubereitungsarten und -techniken zu probieren, die für mich Neuland sind. Zum Beispiel mit dem Feuer zu spielen: Räuchern, Veraschen auf dem Lagerfeuer mehr als nur Stockbrot backen. Mit Aggregatzuständen, Formen und Gängen spielen. Und dann das Haltbarmachen, das wohlige Gefühl der Sommerfülle einfangen, mit Salz, Essig, Zucker, Wasser, Öl... ob fermentiert, eingekocht, getrocknet alles entfaltet neue Geschmackswelten von  ein und demselben Ausgangsrohstoff, das fasziniert mich.

Das war nun ein bisschen von mir und ein Auszug aus meinen Ideen, die mir kommen, wenn ich mir vorstelle mich drei Monate in der Uckermark der Kochkunst zu widmen. Ich freue mich sie in die Tat umzusetzen und mit euch zu teilen und sie mit all denen zu paaren, die in dieser Zeit und diesem Raum mit Euch noch entstehen werden. Was ein Fest!! Kommt vorbei und feiert mit.

 Danke für diese Chance!